Burgaltendorfer Grundschüler schnupperten in den Gärtnerberuf hinein

50 Gummistiefel, 25 gelbe Westen und jede Menge Neugier und Tatendrang. So ausgestattet erlebt die 1a der Grundschule Burgaltendorf einen Schultag der besonderen Art.

Auch wenn die Knirpse noch nicht sonderlich viel Erfahrung in Sachen Schulalltag haben - ihre Laufbahn als Pennäler hat schließlich erst vor wenigen Wochen begonnen - eines ist ihnen dennoch klar wie Kloßbrühe: Dieser Schultag wird einer wie keiner sein. Entsprechend aufgeregt sind die Erstklässler, als sie beim Garten- und Landschaftsbaubetrieb Barkhoff an der Hammer Straße ankommen.

Gärtnerparcours mit Bagger, Kletterseil und Sandbett

Noch größer wird die Begeisterung, als die Kinder erfahren, dass man hier eigens für sie einen kleinen Arbeitsparcours aufgebaut hat - mit Bagger, Kletterseil und Sandbett!
Hanne Sögtrop, im Gartenbaubetrieb zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Interne Projekte, hatte die Idee dazu, die Schulkinder einzuladen, um ihnen den Beruf des Gärtners näher zu bringen: "Gärtern war in der Vorstellung der Kinder in erster Linie Blumen einpflanzen, aussähen, Rasen mähen und dergleichen. Wir wollten ihnen vermitteln, wie vielfältig und spannend der Beruf des Landschaftsgärtners sein kann."

An der ersten Station geht es hoch hinaus. An einem Kletterseil mit spezieller Sicherung kraxelt ein Kind nach dem anderen in luftige Höhen. Der Chef persönlich, Diplom-Ingenieur Johannes Sögtrop, gibt den Kindern Hilfestellung und passt auf, dass nichts passiert. "Man pflanzt ja nicht nur Bäume", erläutert Hanne Sögtrop den Kindern, "sondern muss sie auch hin und wieder beschneiden, wenn sie schon groß sind. Ein Gärtner muss also auch verschiedene Baumkletter-Techniken beherrschen." Auch beim Fällen sei Kletter-Kompetenz erforderlich, da Bäume immer von oben nach unten gefällt werden.

Mit solch einer gärtnerischen Aufgabe haben die Kinder nicht unbedingt gerechnet. Leni hat die Übung gerade absolviert: "Es war ein bisschen schwierig, aber es hat Spaß gemacht", lautet ihr Fazit. Weiter geht‘s zur Mini-Baustelle: Wieder keine Blumensamen und Erde, dafür aber ein toller Sandhaufen! Letzteren müssen die Kleinen schön plan machen, damit sie hier Pflastersteine verlegen können. Emsig sind die Erstklässler damit beschäftigt, die Steine erst einmal gleichmäßig anzuordnen und einen einheitlichen Fugenabstand hinzubekommen, bevor sie sie mit dem Gummihammer festklopfen können. Gar nicht so einfach. Darvin Küsener, Azubi im ersten Lehrjahr, zeigt den Mädchen und Jungen, wie es geht. Der angehende Garten- und Landschaftsbauer war selbst überrascht über die Vielfältigkeit des Berufsbildes Gärtner: "Mir war zu Beginn meiner Ausbildung auch nicht klar, dass Pflastern auch dazugehört." Leon macht der Job auf der Mini-Baustelle Super-Spaß. "Man muss die Steine immer gerade legen, sonst kann man beim Drübergehen stolpern", hat der Erstklässler schon gelernt. Sein Freund Alex hatte auch seine helle Freude beim Pflastern. - "Aber am liebsten bin ich Bagger gefahren!", ruft er aus.

Zeit für Station 3 auf dem Nachwuchsgärtner-Parcours: Wieder ein Sandhaufen, aber der ist diesmal riesig. Mittendrin sitzt Dennis Dudas, Azubi im zweiten Lehrjahr, in einem Kompaktbagger. Mit im tollen Gefährt sitzt jeweils ein Schulkind und darf die Schaufel bedienen. Strahlendes Gesicht bei dem, der gerade am Hebel sitzt; die anderen Kinder bilden eine Schlange davor und scharren beinahe mit den Hufen. "Nun kommt alle mal hier rüber, es geht langsam dem Ende zu", ruft Silke Winter, Klassenlehrerin der 1a. Manche Kinder sind kaum von ihrer Station wegzubekommen - schade, die zwei Stunden vergingen wie im Flug!

Ein Tag im Leben eines Gärtners

Zum Abschluss geht es ins Haupthaus des Garten- und Landschaftsbaubetriebes, wo schon ein Frühstück auf die Kinder wartet. Jetzt heißt es nochmal ein bisschen still sein und zuhören, denn Chef Johannes Sögtrop schildert den Mädchen und Jungen in einem kleinen Bildvortrag einen typischen Tagesablauf in seinem Betrieb: Um 6 Uhr aufstehen, im Betrieb dann versammeln sich alle an der Theke und die 30 Mitarbeiter werden auf die verschiedenen Einsatzorte verteilt. Je nachdem, was anliegt, werden die LKWs mit Pflanzen, Erde, Sand und weiteren Materialien beladen. Fotos zeigen die Gartenbauer beim Bau von Gartenhäusern, beim Baumfällen und -pflanzen. Sie bauen einen Spielplatz, eine Terrasse oder eine Natursteinmauer.
Büroarbeit gehört natürlich auch zum Job: Am Telefon werden Kundegespräche geführt und Aufträge entgegengenommen. Am Computer wird das Angebot geschrieben, mit allem, was dazugehört. Vor Ort beim Kunden wird besprochen, was genau gemacht werden soll. Notizen sind da wichtig, die später zu einem Plan werden, den z.B. Landschaftsarchitekt Thorsten Kühn am großen Zeichenbrett erstellt. Nachmessen ist auch ganz wichtig, und der Einsatz eines Nivelliergeräts - um zu schauen, ob auch alles gleichmäßig ist. Am Abend dann wird schon wieder ge­plant, wer am nächsten Tag wo eingesetzt wird.
Und wenn Gärtner feiern - das verraten die Bilder auch - dann machen sie mitunter so lustige Dinge wie Wettsägen und Schubkarrenrennen. Wirklich ganz schön abwechslungsreich und viel mehr als nur Blumen pflanzen!


Quelle: Ruhrkurier vom 29.10.2013